Ja, das allerwichtigste steht ja schon im Titel. Wir haben unsere Familienplanung komplettiert und so ein kleines, hilfloses Würmchen auf diese kalte, grausame Welt geworfen. Aber nun mal von vorne.
Beim letzten Blogeintrag war ich ja noch schwanger, sehr sogar. Die Hitzewelle im Juli war alles andere als angenehm und sowieso hat mich alles ziemlich angekotzt und dem Rest der Familie war Walrossmama auch langsam über. Alle möglichen körperlichen Zipperlein, „leicht“ eingeschränkte Bewegungsfähigkeiten („Schatz, kannst Du mir mal die Schuhe anziehen?“) und die wachsende Ungeduld auf die kommenden Schlaflosnächte haben eben nicht nur mich gestresst. Zudem kam noch die Prophezeihungen meines Gynäkologen der mir bei jedem Besuch sagte dass sein Designer-Kind mit Optimalmaßen etwa ein Kilo weniger wöge als das was ich da mit mir rumschleppe. Also eine Aussicht auf einen weiblichen Hefeklops. Kam ja aber alles ganz anders.
Eines nachts, es war wohl so gegen 1 Uhr merkte ich die ersten Wehen die dann auch bald in regelmäßigen Abständen den Schlafbedarf killten. Also ab ins Krankenhaus. Am Wehenschreiber waren die Störenfriede auch klar zu erkennen, nach einigen Stunden jedoch wieder Sang- und Klanglos verschwunden. Also wieder nach Hause. Ein paar Tage später hatte ich wieder einen Kontrolltermin zum Wie-Groß-Kann-Ein-Hefeklops-Werden-Ultraschall. Der Arzt las meine Gedanken und fragte mich ob ich am nächsten Tag ins Krankenhaus kommen wolle zur Geburtseinleitung. JAJAJAJAJA! Wir bekamen noch ein wundervolles 3-D-Ultraschallbild unserer Tochter mit einer aus Platzmangel ziemlich plattgedrückten Nase. Am Dienstag, den 03.08. gings dann los, 17 Uhr Termin in der Klinik. Ich war ziemich daneben mit den Nerven, irgendwie ging mir das dann doch zu schnell. Bjarne war gut bei meinen Eltern untergebracht. Nachts um 12 Uhr durfte ich dann einen sogenannten Wehencocktail trinken. Das gute Zeugs besteht aus Rhizinusöl, Aprikosensaft und einer Art Alkohol die ich aber nicht identifizieren konnte. Schmeckt scheusslich, also nicht für die nächste Cocktailparty zu empfehlen. Es wirkt, um es mal öffentlichkeitstauglich auszudrücken, durch eine vermehrte Verdauungstätigkeit Gebärmutterstimulierend und dadurch wehenfördernd. Ich denke so kann man es vor 20 Uhr sagen.
Hat auf jeden Fall gewirkt, in jeder Hinsicht. Um 3 Uhr hatte ich schon merkbare Wehen, so gegen sieben gings richtig los, dann kam auch Flo in die Klinik. Und nach unzähligen schmerzhaften Wehen war die Perle dann endlich da. Kurz nochmal die Eckdaten:
Matilda, 3756g, 12.04 Uhr.
Wir waren dann noch 4 Tage im Krankenhaus, die sind eigentlich nicht weiter erwähnenswert bis auf meine wundervolle Bettnachbarin. Aber nur ganz kurz:
19 Jahre alt, guckte am liebsten den ganzen Tag Sitcoms, laberte mich den ganzen Tag mit dem Inhalt ihrer „InStyle“ und „InTouch“ zu, ich bin also bestens informiert wer von den VIPS wann warum und wo auf der Toilette war, rauchte vorm Zimmer, dann ohne Händewaschen wieder ans Kind und nachts alle Fenster, Klappen, Türen und Gardinen zu. Ich gebe mal einen kurzen Dialog wieder:
Sie: „Was liest Du denn da die ganze Zeit?“
Ich: „Den Spiegel, einen Artikel über unsere Regierung.“
Sie: „Oh, ich interessiere mich ja auch ganz dolle für Politik. Hier in meiner InStyle steht auch viel darüber drin. Die hatten sogar einen kurzen Artikel über die LoveParade in Duisburg.“
Ich: „Ahja.“
oder
Tagesschausprecher: „…hat sich gestern unser Außenminister Guido Westerwelle…“
Sie (fast brüllend vor Lachen): „Guido, was ist denn das für ein Name, hab ich ja noch nie gehört!“
Aber das war eigentlich auch schon alles was in der Klinik wirklich spannend war. Ansonsten hab ich mich erholt und mich gefreut wenn wir Besuch bekommen haben.
Samstag ging es dann nach Hause. Ein bißchen anders als erwartet. Ich hatte es mir ungefähr so vorgestellt:
Wir kommen nach Hause. Bjarne freut sich riesig über das „von Matilda mitgebrachte“ Geschenk, eine tolle Thomas-Die kleine Lokomotive Bettdecke. Lässt sie gar nicht mehr los, liebt seine kleine Schwester über alles und Mama und Papa sind glücklich über ihre kleine Familie und das neue Leben.
Soweit mein Wunschdenken. Nun die Realität.
Wir kommen nach Haus (soweit stimmt das ganze ja). Bjarne bekommt die Bettdecke, guckt sie sich kurz an und gibt die uns zurück. Will er nicht haben. Außerdem soll Matilda zurück ins Krankehaus, Mama soll alleine nach Hause kommen. Matilda ist nämlich blöd. Zufällig hat Mama (wie viele Frauen am 3. Tag nach der Geburt) auch noch ihren Babyblues, die Hormone eben, und heult rotz und Wasser weil alles Scheisse ist, Bjarne seine Schwester nicht mag, Zuhause gerade alles andere als aufgeräumt, sauber und organisiert ist (Flo war ja die meiste Zeit in der Klinik) und sowieso alles nervt einfach. Mama will zurück ins Krankenhaus, ohne Bjarne, ohne Matilda, einfach 4 leckere Mahlzeiten am Tag, chillen, aber in ein anderes Zimmer.
Mittlerweile aber haben sich die beiden miteinander arangiert. Bjarne kümmert sich auch schonmal um seine geliebte Konkurrentin, streichelt sie und gibt ihr den Schnuller. Ab und zu kommen zwar noch Kommentare wie „Tilla zu laut, oder?“ oder „Ui, Tilla aber dicker Bauch…“ aber grundsätzlich denke ich dass er seine Schwester eigentlich schon ganz anständig findet. Und sie nimmt Bjarnes grobmotorischen Streicheleinheiten auch ohne Murren an.
Jetzt ist sie 19 Tage alt, Flo ist seit Freitag wieder arbeiten und hier fängt allmählich der Alltag als Zweifachmama an. Ich muss sagen dass alles wesentlich besser klappt als in der Zeit als Bjarne so klein war. Die Routine hat mich eben. Und wir Eltern werden langsam erwachsen.
Das solls fürs erste gewesen sein. Dieser Blog wird jetzt, sobald der Papa mir nochmal ein bißchen mit dem HTML unter die Arme greift Bjarnes und Matildas Blog werden. Und die Blogeinträge werden länger. Ich freu mich schon auf die zwei kleinen Chaoten die sich sicher den ganzen Tag zoffen, aber gemeinsam die Kekse vom Schrank klauen
Nachtrag: Habs auch ohne den Papa geschafft. Der neue alte Blog ist somit offiziell eröffnet





































